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Blogger-Rechte Teil 5: Rezepte aus Kochbüchern Teil 2

Die ersten Beiträge dieser Serie drehten sich um das Thema Impressum und Offenlegung. Dieser Beitrag und der vorige widmet unser Rechtsexperte Alexander Koukal Rezepten aus Kochbüchern.

Darf ich Rezepte aus Kochbüchern für meinen Blog verwenden?

Im vorigen Beitrag bin ich auf die urheberrechtlichen Grenzen für eine Übernahme von Rezepten aus Kochbüchern eingegangen. Das Urheberrecht schützt den Autor bzw. Verlag nur vor der Übernahme von Texten und Bildern, die ein sogenanntes Werk darstellen. Das trifft meist auf Vorbemerkungen zu einem Rezept und Erlebnisberichte aus der Küche zu. Fotos von Speisen sind ebenfalls urheberrechtlich geschützt (jedenfalls aber als „schlichtes Lichtbild“) und dürfen daher niemals ohne Erlaubnis verwendet werden – dazu mehr in der nächsten Folge.

Die bloße Aufzählung, welche Zutaten wie in welcher Reihenfolge verarbeitet werden, ist urheberrechtlich wohl kaum geschützt. Denn der Autor hat keinen Spielraum, diese Aufzählung individuell zu gestalten, sie ist vorgegeben.

Es ist aber auch dann ein Risiko, sich umfangreich aus Kochbüchern zu bedienen, wenn man darauf achtet, nur das zu übernehmen, was urheberrechtlich nicht geschützt ist. Der Verlag könnte sich nämlich gegen eine großzügige Übernahme seiner Inhalte nach dem Wettbewerbsrecht zur Wehr setzen. Und dabei kommt es nicht darauf an, ob die Inhalte urheberrechtlich geschützt sind oder nicht.

Das Wettbewerbsrecht verbietet neben vielen anderen Handlungen, das Arbeitsergebnis eines anderen ohne jede ins Gewicht fallende eigene Leistung ganz oder in erheblichen Teilen glatt zu übernehmen und damit dem Mitbewerber mit dessen eigener Leistung Konkurrenz zu machen. Die Gerichte sprechen von einer „schmarotzerischen Ausbeutung“ fremder Leistungen. Die wortwörtliche und umfangreiche Übernahme fremder Texte in das eigene Angebot könnte einen Wettbewerbsverstoß darstellen, den der Verlag mit einer Unterlassungsklage verfolgen kann.

Als Einwand könnte jetzt kommen, dass Sie als Blogger ja gar kein Mitbewerber des Verlags sind. Dem ist entgegenzuhalten, dass Sie genauso wie auch der Buchverlag Rezepte veröffentlichen. Sie bieten mit ihrem Blog eine Onlineausgabe eines Kochbuchs an. Jedenfalls dann, wenn Sie mit Ihrem Blog, zum Beispiel durch Bannerwerbung, Inserate oder auch Kooperationen, Geld verdienen möchten, handeln Sie „im geschäftlichen Verkehr“ und nicht bloß privat. Damit unterliegen Sie dem Wettbewerbsrecht.

Die Gerichte haben außerdem geurteilt, dass bei der Ausbeutung fremder Leistung ein sogenanntes „Ad-hoc-Wettbewerbsverhältnis“ bestehen kann. Die Verteidigung, dass Sie keinen Verlag, sondern nur einen Blog betreiben, könnte also fehlschlagen.

Das Risiko eines Wettbewerbsverstoßes können Sie dadurch senken, dass Sie Inhalte aus Kochbüchern nicht ohne eigenen wesentlichen Beitrag übernehmen, sondern sich dadurch nur inspirieren lassen und den Inhalt in eigenen Worten wiedergeben, ergänzen, kommentieren und bebildern – also ausreichend eigene Leistung aufbringen.

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Wenn auch du Fragen in Sachen “Neue Medien” oder Blogger-Rechte hast, schick dein Anliegen an office@koukal.at!


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  1. marichen21

    11 Dezember

    Danke für die super Informationen!
    Liebe Grüße
    Maria!

  2. […] Blogger-Rechte Teil 5: Rezepte aus Kochbüchern Teil 2 | Ö Food … […]

  3. […] schon im vorigen Beitrag angekündigt, widmen wir uns nun dem rechtlichen Schutz von Bildern, Grafiken und […]

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